Im Hinblick auf Dominik Ruckstuhls Blog zu Telearbeit und auch für die Vertiefung in das Einzelthema „Arbeit und Beschäftigung“ für meine eigene Präsentation, habe ich mich im Buch von Manuel Castells in die Kapitel zu Arbeit und „Transformation der Beschäftigungsstruktur“ eingelesen.
Sein Hauptfokus ist dabei die Veränderung der Beschäftigungstruktur auf Grund der Verbreitung von Informationstechnologien und die Entwicklung der Informationsgesellschaft.
Castells analysiert also die Entwicklungen der Beschäftigungsstruktur in den G7 Staaten und stellt diese einander gegenüber. „Um sowohl die Gemeinsamkeiten wie die Unterschiede der Beschäftigungsstrukturen unter dem informationellen Paradigma abschätzen zu können, habe ich die Beschäftigungsstruktur der wichtigsten kapitalistischen Länder zwischen 1920-1990 untersucht. Diese Länder, die sogenannten G7, bilden den Kern der globalen Wirtschaft. Sie alle befinden sich in einem fortgeschrittenen Stadium der Übergangs zur informationellen Gesellschaft und eigenen sich deshalb dazu, das Auftreten neuer Beschäftigungsmuster zu beobachten. Sie repräsentieren ausserdem sehr spezifische Kulturen und institutionelle Systeme, was es uns ermöglicht, historische Vielfalt zu untersuchen.“ (Castells, 2004, S. 230ff)
Castells zeigt auf, dass in den europäischen Ländern die Beschäftigung in der Produktion massiv zurück gegangen ist, während sie im asiatischen Raum sprunghaft angestiegen ist, und schliesst daraus, dass die Produktivität gesamthaft nicht zurückging, sondern sogar zugenommen hat.
Im Weiteren analysiert Castells den Begriff „Dienstleistungen“ und macht deutlich, dass unter diesem Begriff einiges zusammengefasst ist, was nicht wirklich zusammengehört.
„In den Beschäftigungsstatistiken dient er als Restkategorie, die all das umfasst, was nicht unter Landwirtschaft, Bergbau, Bau, öffentliche Versorgungsunternehmen oder Industrie fällt.“ (ebd.)
Er unterscheidet deshalb:
- Produktionsbezogene Dienstleistungen
- Distributive Dienstleistungen
- Personenbezogene Dienstleistungen
Dies scheint mir sinnvoll, denn ich denke auch, dass in der Vergangenheit unter dem Begriff Dienstleistungen Kraut und Rüben zusammengefasst wurden, die es nun wieder zu trennen gilt. Castells liefert damit einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Dienstleistungsgesellschaft und möglicherweise auch eine Hilfestellung , um die momentan Veränderung hin zur Informationgesellschaft nachvollziehen zu können.
Für mich stellt das Thema „Arbeit und Beschäftigung“ einen Teilaspekt des global villages dar, der schon seit langem von starker Veränderung betroffen ist. Zum Teil habe ich diese selbst erlebt, indem ich mehrfach von Sparmassnahmen im öffentlichen Sektor betroffen war, konkret im Spital, meinem langjährigen Arbeitgeber.
Ich werde allerdings in meiner Präsentation nur am Rande auf diesen Themenkreis eingehen, mein Schwerpunkt liegt mehr in der historischen Dimension und auf dem Medienverständnis von McLuhan. Aber im Zusammenhang mit meinem Überblick zum Thema schien es mir doch relevant, hier im Blog darauf einzugehen.
In der Zwischenzeit ist es mir gelungen, das global village in einen Gesamtkontext zu fassen, der mir relevant erscheint. Damit erhebe ich weder Anspruch auf Vollständigkeit, noch auf Richtigkeit und möglicherweise sehe ich die Sache in einem halben Jahr auch schon wieder um einige Aspekte erweitert. Aber im Moment bin ich mit meiner diesbezüglichen Grafik ganz zufrieden.
(Leider kann ich sie hier nun nicht einfügen, ich muss mich erst kundig machen, wie ich eine Grafik, die ich selbst erstellt habe, hier richtig einfügen kann.)
Ein Tag später. Jetzt hat es doch noch geklappt, with a little help.
Literatur:
Castells, Manuel (2004): Der Aufstieg der Netzwerkgesellschaft. Bd.1. Leske und Budrich. Opladen.
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April 7, 2008 um 6:11
Liebe Regula,
Im Gegensatz zu der sektoralen Einteilung des Fachs GLIW (http://www.informationswissenschaft.ch/index.php?id=473), wo der Dienstleistungssektor einfach in Informationssektor unbenannt wurde, finde ich Deine neue Klassifikation sehr sinnvoll. Es kann nicht sein, dass z.B. Dienstleister in der Tourismus Branche mit Dienstleistern in der Software Branche unter dem selben Begriff aufgeführt werden.
Ich gehe mit Dir jedoch nicht ganz einig, dass alle asiatischen Länder grosse Industrien beherbergen. Eine Unterteilung in Japan, Tigerstaaten, China, Südostasien und Indien wäre sinnvoll. Je nach Fortschritt der entsprechenden Region überwiegt nähmlich der Dienstleistungsanteil (so z.B. In Japan, Indien und immer mehr in aufstrebenden Staaten wie Südkorea).
Ich denke ebenfalls, dass die Telearbeit die Welt zu einem kleineren Dorf zusammenschrumpfen lässt. Noch einfacher und kostengünstiger als beim Offshoring der Industrie, wo Maschinen in Westeuropa abgebrochen und in China wieder aufgestellt werden, gestaltet sich das Auslagern von Dienstleistungen wie Call Centern, Buchhaltung oder Software-Entwicklung. Hat eine Stadt eine gute Internet Verbindung, genügend PCs und eine Universität, an welcher das nötige Wissen vermittelt wird, so kann sie westlichen Firmen direkt ihre Unterstützung anbieten.
Herzliche Grüsse,
Simon
PS: Wir können das mit Deiner Graphik ja mal zusammen anschauen.